Aktuelles
Das Geheimnis der Götzenkammer

Zu Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen der farbigen Fassungen und des Figurenprogramms der Wilsdruffer Jakobikirche

2019-05-26_Götzenkammer_Heimatmuseum.jpg„Götzenkammer“ – der Name klingt schaurig und geheimnisvoll. Als man 1840 eine vor Jahrhunderten vermauerte Öffnung der mittleren Giebelwand der Wilsdruffer Jakobikirche aufbrach, staunten die an der Aktion Beteiligten nicht schlecht: im Dachboden über dem Chorraum, der sich hinter der Wand auftat, lagen, sorgsam verstaut, mehrere hölzerne Skulpturen. Wie kamen die Figuren dorthin? Wo waren die Kunstwerke ursprünglich aufgestellt und wie sah der dazugehörende Raum aus? Und überhaupt: Was passierte in ihren „Biographien“ weiter?

Diesen spannenden Fragen soll am Sonntag, 26. Mai 2019, 14:30 Uhr, in der Jakobikirche Wilsdruff nachgegangen werden, wenn die Ergebnisse bauhistorischer und kunsttheoretischer Untersuchungen der interessierten Öffentlichkeit durch Torsten Niemoth, Dipl.-Restaurator am Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Günter Donath, Architekt und Meissner Dombaumeister a. D., vorgestellt werden.

Mit der Einführung der lutherischen Reformation wurden theologisch problematisch gewordene sakrale Objekte, wie Figuren, Bildnisse, Reliquien etc., in mehr oder minder unzugänglichen Räumen der Kirchengebäude verborgen. Die Reformatoren konnten mit diesen Dingen wenig anfangen und bezeichnete sie - auch zur Abschreckung für die Gläubigen - als „Götzen“. So weggesperrt, entzog man die Heiligenfiguren dem Anblick und der traditionellen Verehrung. Dieses spezielle „Depot“, die Götzenkammer, bewahrte die Kunstwerke. Ihre Entdeckung verdanken sie der Neugier, die untrennbar mit einer zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzenden Geschichtsforschung verbunden war. Die dadurch vielerorts plötzlich wiederentdeckten ›altdeutschen Kunstaltertümer‹ bildeten nun die Grundlage für eine Welle von Museumsgründungen der bürgerlichen Altertumsvereine. So wird im „Zweiten Heft der Mittheilungen des Königl. Sächs. Vereins für Erforschung und Erhaltung der vaterländischen Alterthümer“, Dresden 1842, berichtet: „… Unter denen aber, die dem Anscheine nach dem 14ten Jahrhundert angehören, zeichnen sich … 7 Figuren aus der Begräbnißkirche zu Wilsdruff besonders aus. Alle diese Figuren waren bemalt und zum Theil vergoldet, und bei mehrern hat sich beides erhalten.“ Gemeinsam mit den Kirchgemeinden fiel damals die Entscheidung, die Wilsdruffer Skulpturen im Museum des Königlich Sächsischen Altertumsvereins, welches sich seinerzeit im Palais im Großen Garten befunden hatte, aufzustellen. 1927 wurde eine der Skulpturen, eine Pieta, nach Wilsdruff gebracht, um sie in der Heimatsammlung zu zeigen.

Die Veranstaltung setzt die Vortragsreihe zur Geschichte unserer Jakobikirche fort. Aus aktuellem Anlass bezieht sich der Vortrag inhaltlich auf das Thema „Kirche als Depot“ und das Entstehen der Wilsdruffer Heimatsammlung. Dazu sind Sie herzlich eingeladen!

 

Günter Donath


 

Künstler von heute gesucht!

2019_Heimatmuseum_Malwettbewerb.jpgIm Heimatmuseum bewundern wir gern die Werke der Künstler von gestern. Die Maler vergangener Zeiten haben uns durch ihre Gemälde und Zeichnungen ihre Sicht auf die Stadt und die Umgebung gezeigt. Auch heute zieht es immer wieder Kunstbegeisterte hinaus zum Malen, so auch die gebürtige Wilsdrufferin Ingeburg Gnauck. Sie nutzt jede freie Minute, um ihre Eindrücke mit Bleistift, Pastell oder Aquarellfarben auf Papier zu bannen. Manchmal entstehen flüchtige Skizzen, die später als Linolschnitt oder mit Feder ausgearbeitet werden.

2019_Heimatmuseum_Malwettbewerb2.jpgDoch wie sehen wir im Jahr 2019 Wilsdruff und seine Ortsteile? Jeder, der Lust am Gestalten hat, ist eingeladen seine Lieblingsplätze, den Blick auf romantische Häuser und Gassen, interessante Straßenzüge und besondere Ecken anderen in Bildform zu zeigen. Lasst uns, Erwachsene wie Kinder, in einen Wettstreit treten! Erlaubt sind alle künstlerischen Techniken, die Freude machen. Probieren geht über Studieren: Bleistift, Kreide, Kohle oder Tusche ebenso wie Aquarell,- Gouache- oder Acryltechnik. Wer in Öl arbeiten möchte, beachte bitte die Trockenzeiten. Pastellblätter bitte fixieren. Die Hoch- oder Querformate sollten nicht größer als A3 sein. Zuletzt noch auf der Rückseite den Titel des Bildes, Namen, Adresse und möglichst das Alter vermerken. Die Werke können bis zum 1. August 2019 im Heimatmuseum eingereicht werden. Eine kompetente Jury, die sich aus Museumsleuten und Künstlern zusammensetzt, wird die besten Werke küren. Die Siegerehrung für die Großen und Kleinen findet zum Museumsfest am 21. August 2019 im Heimatmuseum statt. Die Mitarbeiter des Museums freuen sich sehr auf eine Fülle grafischer und malerischer Ergebnisse und wünschen allen viel Spaß und Erfolg beim künstlerischen Erkunden von Wilsdruff und seinen Ortsteilen.

 

Betina Beck, Museumsbeirat und Angelika Marienfeldt, Museumsleiterin


 

Hinweise auf weitere Veranstaltungen anlässlich des Museumsjubiläums

19. Mai 2019, 11:00 bis 13:00 Uhr: Zum Internationalen Museumstag: „Franzens Hof in Herzogswalde – Freilichtmuseum für Sachsens Mitte“, Projektvorstellung mit Ortsbegehung und Frisches aus dem Lehmbackofen. Eine Kooperation mit Kay Arnswald.

 

26. Mai 2019, 14:30 Uhr: Vortrag in der Jakobikirche: „Das Geheimnis der Götzenkammer“ - Zu Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen der farbigen Fassungen und des Figurenprogramms der Wilsdruffer St. Jakobikirche, Referenten: Dipl.-Arch. Günter Donath, Wilsdruff und Dipl.-Rest. Torsten Niemoth, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

10. Juni 2019, 14:00 bis 18:00 Uhr: Portraitfotografie: Der Fotograf und Kurator Thomas Bachler fertigt im Heimatmuseum der Stadt Wilsdruff Portraitfotografien


 

Fotoausstellung „Wilsdruff im Wandel“

Am 20. März 2019, 18:00 Uhr, wurde die Fotoausstellung „Wilsdruff im Wandel“

im Heimatmuseum der Stadt Wilsdruff eröffnet

Ausstellungsdauer: 21. März 2019 bis 10. Juni 2019

2019-03-21_Fotoausstellung Heimatmuseum.jpgGezeigt werden fotografische Aufnahmen aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vergleichend, erinnernd oder einfach neugierig kann der Besucher den Spuren der Fotografen Paul Mehlig, Ludwig Rentsch und Günther Kutschick folgen und den Wandel im Stadtbild von Wilsdruff erkunden. Mit der digitalen Fotografie eröffnen sich andere Möglichkeiten das Lebensumfeld abzubilden, die Prozesse des Wandels im Bild zu dokumentieren oder den flüchtigen Augenblick festzuhalten. Das belegen die Aufnahmen, die im Fototreff Wilsdruff entstanden sind. Mit dieser Fotoausstellung starten wir in das Festjahr des Heimatmuseums der Stadt Wilsdruff.

Grundlage für das heutige Heimatmuseum bildet die Heimatsammlung. Sie wurde für die Öffentlichkeit vor 100 Jahren im Dachgeschoss der damaligen Wilsdruffer Volksschule im Gezinge 12 unter der Leitung von Artur Kühne eingerichtet. Am 20. März 1999 konnte am selben Ort das Heimatmuseum der Stadt Wilsdruff, nach fast 30-jähriger zwischenzeitlicher Schließzeit, neu eröffnet werden. Es ist zu einem großen Teil dem damals ehrenamtlich tätigen Museumsdirektor und späterem Ehrenbürger der Stadt Rolf Görner zu verdanken, dass gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern, mit der Unterstützung der Stadt Wilsdruff sowie dem ortsansässigen Heimatverein die Idee der Wiedereinrichtung in der Schule umgesetzt werden konnte. Nun, 20 Jahre später, nehmen wir das Jubiläum als Anlass, um mit einer Fotoausstellung auf das Festjahr einzustimmen und allen Unterstützern des Museums zu danken.

Wir freuen uns auf ihren Besuch.